Re:Ein Forum in deutscher Sprache
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11/29/2009 11:14 AM
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#112 )
Gedanken zum Advent
Nur wenige Stunden dieser Tage sind von Helligkeit geprägt.
Nach den Mittagsstunden muss man sich beeilen, wenn man an einem sonnigen Tag noch die wenigen Strahlen einfangen will und die Schönheit des endenden Herbstes in sich aufnehmen will.
Die Stunden in der Natur geben mir immer Zeit zum Nachdenken, überhaupt denke ich gerne nach über die Eindrücke, die ich täglich sammle. Nichts gibt es, was für mich bedeutungslos ist, nichts geht an mir spurlos vorüber was Wichtigkeit hat. Vielmehr sind es die Dinge, die ich ignorieren kann, die damit verbunden sind, sich bewusst zu verlaufen, dem Geld hinterher zu jagen, die unangenehmen Eigenschaften Anderer gedanklich zu zerlegen, darüber nachzudenken, ob jemand mit seiner Kleidung, seinem fahrbaren Untersatz, seiner an „Designer Einrichtungen“ erkennbaren Wohnungen „mehr hat“ als ich oder nicht, all das, ist für mich von geringer Bedeutung. Ich vergesse dabei nicht, dass die Menschen sicherlich hart gearbeitet haben, gerade durch solche Akzente die für ihr Leben so wichtig erscheinen als mir, womöglich mehr verlieren als ihnen bewusst ist.
Ich genieße Tage, an denen ich vergessen kann, ob und wie mich das Schicksal angepackt hat, und diese Tage sind für mich Geschenk!
In dieser Jahreszeit, und gerade im Advent ist die Natur stiller, sie ist im Aufbruch schlafen zu gehen um gleichzeitig andere Schönheiten hervorzukehren die wir nur in den dunkleren, kalten Tagen erfahren dürfen.
Als „Novemberkind“ scheint es mir in die Wiege gelegt zu sein, auch Tage an denen sich die Sonnenstrahlen mühevoll durch die Wolkendecke drängen und der Nebel kaum mehr Sicht als zwanzig Schritte vor einem lässt, die gedämpfte Stille zu genießen. Ich rieche die Natur ohne sie mit den Augen wahrnehmen zu können, ich weiß ganz genau, ob ich an Plätzen in den Wäldern vorbeikomme, an denen Pilze stehen könnten und ob ich das Rascheln von fallenden Blättern höre, oder ein Vogel am Boden im Geäst spaziert.
Ich finde es angenehm, wenn ich irgendwo Stimmen vernehme, Kinderlachen höre oder die ruhigen Gespräche, ohne deren Bedeutung genau filtern zu können weil die Distanz zu den anderen Spaziergängern noch größer ist. Hundegebell lässt meistens darauf schließen, dass zumindest zwei Menschen unterwegs sind und manchmal warte ich ein wenig neugierig darauf, ob sie nahe genug kommen, so, dass ich die Rasse erkennen kann.
Wenn ich so alleine im Wald gehe, und mein Atem vor mir her treibt, spüre ich meine Wangen meist heiß, weil ich rasch gehe dass mir nicht kalt wird, und manchmal ist es mir passiert, dass ich Wild den Weg queren habe sehen, das dann, mitten im Sprung, so, als würde es extra für mich die Geschwindigkeit reduzieren, in Augenkontakt mit einem Reh oder, was auch schon vorgekommen ist, das majestätische Antlitz eines Hirschen zu sehen bekommen habe. In diesen Momenten spüre ich die Verbundenheit zum Leben, das Leben, das ich an anderen Tagen immer wieder hinterfrage.
Einmal stand ich, das war an einem Sonntag und ich war in Begleitung und auch unser Hund war mit uns unterwegs, einem Reh ein paar Minuten lang auf einer Distanz von knapp einem Meter gegenüber.
Während mein Hund dem Befehl gefolgt ist still zu sitzen, hat sein ganzer Körper gezittert, der Instinkt zu jagen durchzuckte jeden Muskel seines Körpers und sein Maul stand ein wenig geöffnet während seitlich die Zunge heraus gehangen ist. Nach und nach ist der Speichel getropft und ich, wir wussten, dass wir uns auf unseren Gefährten verlassen konnten. Wir wussten, dass wir rechtzeitig kundgetan hatten, seinesgleichen, die Spezies Tier, in Ruhe gehen zu lassen, ohne Angst, ohne Panik, ohne Schrecken.
Das Reh stand still, das Fell am Rücken zuckte und anfänglich schien es, als würde es den nächsten Sprung machen und auf der anderen Seite des Weges im Walde gerade noch den Spiegel unseren Blicken freigeben, doch es stand still.
Die Augen waren aufmerksam auf uns gerichtet, und mir kam damals in den Sinn, dass sie voller Erstaunen und Fragen waren.
In solch seltenen, möglicherweise nur einmaligen Gelegenheiten, halte ich Zwiesprache mit Tieren. Ich erzähle ihnen, dass ich es als Glück empfinde, sie so nahe sehen zu dürfen, danke ihnen gleichzeitig über ihr Vertrauen, auch wenn es nur kurz ist, und dass sie für „mich“ verweilen. In diesen Momenten empfinde ich die Natur als Überbringer des Allgegenwärtigen, als Göttlichkeit in sich in das ich involviert bin und sein darf.
Ich weiß auch, dass ich in solchen Augenblicken etwas Besonders erfahre, dass ich mich daran immer wieder erinnern werde weil sie, gerade für einen Städter, nur selten zur Verfügung stehen, vielleicht für manche Menschen niemals.
Es lohnt sich für mich jeder Ausgang in die Wälder oder auf die Felder, jeder kleine Spazierweg der von Natur umgeben ist hat etwas Bedeutungsvolles. Jedes Aufeinandertreffen mit der Natur hat für mich eine kleine Überraschung bereitgehalten! Immer habe ich von ihr ein Geschenk bekommen; sei es durch die Farben der Blätter der Bäume, sei es durch die Früchte die an den Ästen hingen deren Blätter schon vermoderten, sei es durch die Luft, die mir vor allem in Gegenden in denen Föhren stehen besonders würzig erscheint, oder aber das leise Singen eines Baches, der unermüdlich seinen Weg einmal geschwungen, dann wieder gerade neben mir nahm, niemals bin ich mit leerem Herzen zurück in mein Heim gekommen.
An diesen Tagen kann ich sagen, dass ich glücklich bin, denn ich habe ein Geschenk erhalten, das ich im Einklang mit der Natur, annehmen durfte.
Einen schönen Adventbeginn für alle,
herzlichst
is.
PS: Es tut mir leid, aber diesen Text kann ich in Englisch nicht schreiben, dazu ist mein Sprachwissen zu fehlerhaft...
If you want to know something about someone, listen to your heart.